historische Kettenrüstung

Aus zahlreichen kleinen Metallringen verflochten, geschweißt oder vernietet, entstehen Kettenhemden in mühevoller Handarbeit. Früheste Funde stammen aus dem 4. Jahrhundert v. Ch. und wurden in keltischen Gräbern entdeckt. Wir alle kennen den Zauber und die Mystik die dieser Epoche anhaften. Begeistert davon werden heute wieder im LARP und auf Mittelalterfesten Kettenhemden und Rüstungen getragen.

Ringpanzerhemd war zu damaliger Zeit der gängige Begriff. Kettenhemd bzw. Kettenrüstung entstammt eher der modernen Interpretation. Im 3. Jahrhundert v. Ch. übernahmen die Römer diese Art des Körperschutzes und nannten es Lorica Hamata. Sie verwendeten hauptsächlich Stahl- und Bronzedraht, den sie auf Stäben aufwickelten. Den Draht schmiedete man eigens für die Ringherstellung. Nach dem Aufwickeln zog man die entstandene Spirale, den sogenannte Wurm, vom Stab ab und schnitt ihn auseinander, so erhielt man einzelne Ringe. Diese Technik ist bis heute erhalten geblieben. Viele LARPer und Mittelalter Fans, die Ihre Kettenhemden selbst machen, stellen sich heute noch Ihre Ringe auf diese Art und Weise her.

Rost ist ein eher modernes Problem dabei. In alten Zeiten war das durch regelmäßiges Tragen und die richtige Lagerung kein Problem. Heute werden die Kettenrüstungen an besonderen Anlässen ausgeführt und bleiben oft Monate lang eingelagert. Die richtige Lagerung ist heute wichtiger denn je.

Nach der glorreichen Zeit der Römer gab es kaum nennenswerte Rüstungsindustrie, was den Wert von Kettenhemden enorm steigerte. Mit dem 12. Jahrhundert kamen die kampferprobten, mutigen und edlen Ritter und mit Ihnen erneut das Kettenhemd. Es verdeckte einen Großteil des Körpers und ging bis weit über die Oberschenkel. Sogar Handschuhe und vom Helm abwärts, über den Nacken fallende Rüstungsteile wurden getragen.

So eine komplette Kettenrüstung bestand aus mehreren zehntausend Stahlringen. Die Kosten ebenso wie die Herstellungszeit waren beachtlich. Ein Kettenhemd kostete vergleichsweise so viel wie ein Dutzend Rinder und konnte bis zu einem Jahr Arbeitszeit verschlingen. Natürlich entstand wie in vielen Arbeitsbereichen des Mittelalters eine eigene Zunft um die Herstellung der Kettenrüstung – die Zunft der Panzermacher, der Sarworter. Das heilige römische Reich war die Kettenhemd – Hochburg in Europa.

Ab Mitte des 13. Jahrhunderts begann man zunehmend die Kettenhemden mit Metallplatten zu verstärken. Das war die Geburtsstunde der Plattenpanzer, die bald darauf die Kettenhemden fast vollständig ablösten. Plattenpanzer ließen sich einfacher und viel schneller Herstellen. Eine einfache Brustplatte ist in 2 Stunden einsatzbereit, bietet allerdings nicht die Agilität und den Rundumschutz wie ein Kettenhemd.

Erst im 1. Weltkrieg experimentierte man wieder mit dem Kettenpanzer als Körperschutz. Heute sind Kettenhemden beliebte Requisiten bei Showkämpfen, LARP Veranstaltungen, in der Mittelalterszene und bei akademischen Fechtkämpfen.

Fakts about:

Kettenhemd | alias Kettenpanzer | alias Ringpanzerhemd | alias Lorica Hamata

Herstellungszeit bis zu 12 Monate

Herstellung kostet so viel wie 12 Rinder

15kg durchschnittliches Gewicht

Bildquellen:
Banner, altes Kettenhemd und Kettenrüstung, Hintergrund für Mittelalter © M.Dörr & M.Frommherz
Ritter-Schädel © photoli
altes Kettenhemd ohne Hintergrund – CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55441
Schädel mit Kettenhaube auf rotem Gund – Von Wolfgang Sauber – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6319170
verschiedene Kettenhemden – CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50479